i18n, l10n, g11n, g12n: Geheimnisvolle t9n/xl8-Kurzworte

Auch die Übersetzungsbranche ist nicht verschont geblieben von Buzzwords (zu Deutsch: Schlagworten) und Numeronymen, besonders dort, wo sie sich mit der IT-Branche überschneidet. DeFrEnT klärt auf!

Unter anderem der Zeichenbegrenzung des Kurznachrichtendienstes Twitter verdanken wir eine Reihe von Numeronymen, also “Wörtern, die Zahlen enthalten”, die meist nach dem Schema “Erster Buchstabe, Anzahl der ausgelassenen Buchstaben, letzter Buchstabe” gebildet werden. Insbesondere das Markieren von Themen mit sogenannten Hashtags (benannt nach dem Rautenzeichen #, engl. hash) sorgte dafür, dass die Themenbezeichnungen an sich möglichst kurz sein sollten, um der eigentlichen Nachricht mehr Raum zu lassen.

Zwei konkurrierende Hashtags für Übersetzungsthemen sind #xl8 und #t9n. Während t9n sich an das eben beschriebene Schema hält und zum englischen translation expandiert werden kann, steht das Numeronym xl8 für translate – das “x” als Zeichen für die Kreuzung oder das Überqueren einer solchen bildet die erste Silbe “trans” ab, das “l” ist ein “l” und die 8 wird englisch “eight” /ˈeɪt/ gesprochen, also gleichlautend zum englischen Suffix “-ate”.

Im Bereich der Softwarelokalisierung sowie bei Web- und App-Übersetzungen stößt man auf die schematreuen Numeronyme i18n, l10n und g11n. Sie werden oft synonym gebraucht, weil insbesondere im Bereich community-/crowd-Übersetzung von Open Source-Projekten vielen Freiwilligen die Unterschiede nicht klar sind. Sie bezeichnen jedoch unterschiedliche Schritte im Übersetzungsprozess:

i18n oder internationalization (Internationalisierung) beschreibt eine Methode, Software so zu programmieren, dass alle Benutzerausgaben per Spracheinstellung ausgetauscht werden können, anstatt fest einprogrammiert zu sein. Der Programmierer kann die Sprachauswahl z.B. bei der Installation festlegen lassen, die Sprach- und Landeseinstellung (“locale“) des Betriebssystems abfragen oder in den Programmoptionen eine Auswahlmöglichkeit für den Benutzer hinzufügen. Alle Zeichenketten (“strings“) der Benutzeroberfläche, oft aber auch Grafiken, Klänge und Sprachausgaben bis hin zu Videosequenzen und anderen Multimediainhalten werden dann im Programmcode nur über bestimmte Variablen referenziert und gemäß der Spracheinstellung aus separaten Dateien nachgeladen. Spezifische Probleme der string concatenation während der i18n habe ich auf dem lingohub Blog beschrieben.

l10n oder localization (Lokalisierung) und g11n oder globalization (Globalisierung) bezeichnen dann die Arbeit der Übersetzer, welche die ursprünglich während der Programmierung erstellten Zeichenketten und Inhalte einer Software in eine andere Sprache übersetzen. Die Zielsetzungen sind jedoch unterschiedlich: Bei der Lokalisierung sollen die Inhalte den sprachlichen und kulturellen Eigenheiten einer bestimmten Zielkultur bzw. eines bestimmten Landes angepasst werden, bei der Globalisierung sollen hingegen große, international gesprochene Sprachen wie Englisch, Spanisch und Französisch für so viele unterschiedliche Sprecher wie möglich verständlich sein und in keinem ihrer Länder Anstoß erregen.

Besondere Schwierigkeiten der l10n/g11n sind hauptsächlich Längenbegrenzungen, da Programmierer Beschriftungen oft einen bestimmten Raum auf dem Bildschirm zuteilen und die übersetzten Strings möglichst nicht länger als die ursprüngliche Bezeichnung sein dürfen. Ansonsten ragen Texte plötzlich über ihr Layout-Element hinaus oder werden von diesem abgeschnitten, dies kann Programme unleserlich und unbenutzbar machen. Wenn die Layout-Elemente flexibel sind, um sich der Textlänge anzupassen, kann auch das durch Verschiebungen und Überlappungen zu einer erheblich beeinträchtigten Benutzererfahrung (“user experience“) führen. Bei Sprachen, die von rechts nach links oder gar von oben nach unten gelesen werden, ergeben sich zusätzliche Probleme.

Die Globalisierung-/Lokalisierungsarbeit kann aber auch nicht-textuelle Inhalte umfassen, z.B. weil in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Farben für bestimmte Emotionen stehen und das Farbschema angepasst werden sollte, oder weil bestimmte Icons kulturell bedingt anstößig wirken (“culturally offensive”) wie diese Diskussion um ein  Tipi-Icon im Debian Bug Tracker zeigt. Internationale Firmen wie z.B. IBM sind sich dessen bewusst und veröffentlichen Leitfäden zum interkulturell akzeptablen Bild- und Icondesign, bzw. schulen Ihre Mitarbeiter entsprechend.

Die “Glokalisierung” (g12n) schließlich Vereint beide Ansätze, sowohl in der Bezeichnung als auch in der Arbeitsweise: Schon beim Programmieren wird darauf geachtet, dass die Sprach- und Kultureinstellungen hierarchisch organisiert sind und alle Inhalte einer Sprache in einer Datei gespeichert werden, während alle kulturspezifische Inhalte in eigenen Dateien liegen. Die kulturspezifische Datei wird dann zuerst geladen und alle dort nicht vorhandenen Inhalte werden aus der allgemeinen Sprachdatei nachgeladen (oft mit Englisch als Fallback, wenn auch diese Inhalte fehlen). Auf diese Weise können effizient Einzelkulturen adressiert werden, während gleichzeitig eine maximale Nutzerzahl bedient wird.

 

Haben Sie noch mehr Übersetzungsschlagworte gehört, über die Sie mehr wissen wollen? Lesen Sie weiter in Teil 2 oder fragen Sie per Kommentarfunktion nach!

Christopher Köbel

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